Ksj Wuerzburg

Schöpfung bewahren – Nachhaltigkeit und Glaube in der KSJ

Schöpfung bewahren – Nachhaltigkeit und Glaube in der KSJ

Wer in der KSJ aktiv ist, kennt dieses Gefühl: Gemeinschaft, die trägt. Werte, die nicht nur sonntags gelten. Und die Frage, wie das, was man glaubt, im Alltag wirklich sichtbar wird. Beim Thema Schöpfungsbewahrung treffen Glaube und gelebte Verantwortung besonders unmittelbar zusammen – und gerade für junge Katholikinnen und Katholiken gibt es hier viel zu entdecken, zu diskutieren und anzupacken.

„Laudato si'" – ein päpstlicher Weckruf

Als Papst Franziskus 2015 seine Enzyklika Laudato si' – Über die Sorge für das gemeinsame Haus veröffentlichte, war das weit mehr als ein kirchenpolitisches Dokument. Es war ein Weckruf – an alle Menschen, unabhängig von Konfession oder Weltanschauung. Franziskus beschreibt die Erde als unser gemeinsames Zuhause, das wir nicht als Eigentümer, sondern als Hüter bewohnen. Die Zerstörung der Natur, so das Kernargument, ist untrennbar verbunden mit sozialer Ungerechtigkeit: Wer arm ist, leidet am stärksten unter den Folgen der Umweltkrise.

Für die KSJ ist Laudato si' kein abstraktes Lehrschreiben, das irgendwo im Regal verstaubt. Es ist eine Einladung, die eigene Haltung zur Schöpfung neu zu buchstabieren – und daraus konkrete Schritte abzuleiten.

Ökologie und Glaube: Kein Widerspruch, sondern eine Einheit

Manchmal entsteht der Eindruck, Umweltschutz sei eine rein politische oder wissenschaftliche Angelegenheit. Im christlichen Verständnis war die Verantwortung für die Schöpfung jedoch von Anfang an ein spirituelles Thema. Bereits in der Genesis heißt es, der Mensch sei beauftragt, den Garten zu „bebauen und zu bewahren" (Gen 2,15) – nicht zu verbrauchen und zu verwüsten.

Diese Schöpfungsspiritualität ist kein frommer Zusatz zum eigentlichen Glauben. Sie gehört zur Mitte des christlichen Menschenbildes: Wir sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Herren. Dieses Bewusstsein verändert, wie man auf einen Wald schaut, wie man einkauft, wie man reist.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat diese Verbindung institutionell aufgegriffen und in ihrer Arbeitshilfe Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag konkrete Handlungsempfehlungen für Gemeinden, Verbände und Diözesen formuliert. Schöpfungsverantwortung soll demnach in Liturgie, Verkündigung und kirchlichem Wirtschaften spürbar werden.

Was das konkret bedeutet – in der Gruppe und im Alltag

Nachhaltigkeit in der Kirche ist kein Projekt für Spezialisten. Es sind oft kleine, beharrliche Entscheidungen, die zählen. Für Jugendgruppen wie die KSJ bedeutet das zum Beispiel:

Freizeiten und Aktionen nachhaltig gestalten

Wie reist die Gruppe zur nächsten Freizeit? Gibt es eine Fahrgemeinschaft, wird die Bahn genutzt? Wie wird vor Ort eingekauft – regional, saisonal, möglichst ohne Plastikverpackung? Was wird mit dem Müll gemacht? Diese Fragen klingen banal, haben aber eine echte Wirkung – und sie bieten gleichzeitig Gesprächsanlässe, die über Logistik hinausgehen.

Schöpfung als Thema in Gruppenabenden

Ein Abend über Laudato si', ein gemeinsames Lesen und Diskutieren einzelner Absätze, ein Schöpfungsweg in der Natur – das sind Formate, die Reflexion und Gemeinschaft verbinden. Wer die eigene Beziehung zur Natur bewusst wahrnimmt, verändert auch seinen Umgang mit ihr.

Politisches Engagement als Glaubenszeugnis

Nachhaltigkeit endet nicht beim persönlichen Verzicht. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), in dessen Netzwerk die KSJ eingebettet ist, engagiert sich auf bundespolitischer Ebene für Klimagerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung. Mitmachen, Stimme erheben, Petitionen unterstützen – das ist kein politischer Aktivismus im Widerspruch zum Glauben, sondern dessen konsequente Fortsetzung.

Der Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung

Jedes Jahr am 1. September lädt die Kirche zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung ein. Dieser Termin markiert den Beginn der sogenannten Schöpfungszeit, die bis zum Fest des heiligen Franziskus am 4. Oktober dauert. Für Gruppen bietet dieser Zeitraum einen natürlichen Rahmen, um Schöpfungsthemen in Gebet, Aktion und Gemeinschaft zu verankern – eine Waldwanderung, ein gemeinsames Erntedankfest, ein Reinigungseinsatz an einem Bachufer.

Zwischen Idealismus und Alltag

Es wäre unehrlich, so zu tun, als sei das alles einfach. Der individuelle Fußabdruck ist begrenzt, systemische Veränderungen brauchen mehr als guten Willen. Und die Versuchung zum Rückzug ins Private ist groß, wenn man das Gefühl hat, das eigene Handeln ändert sowieso nichts.

Aber genau hier liegt eine der Stärken, die eine Gemeinschaft wie die KSJ hat: Man ist nicht allein. Gemeinsam lassen sich Haltungen entwickeln, die nicht unter dem Druck des Alltags sofort wieder zerbröckeln. Und gemeinsam entsteht jene Beharrlichkeit, die echte Veränderung braucht.

Schöpfung bewahren ist kein Projekt, das man irgendwann abschließt. Es ist eine Lebenshaltung – gespeist aus dem Glauben, dass diese Welt nicht irgendeine zufällige Kulisse ist, sondern ein Geschenk, für das wir Verantwortung tragen.