Ksj Wuerzburg

Junge Leiter*innen ausbilden – Führungskompetenzen in der Jugendarbeit entwickeln

Junge Leiter*innen ausbilden – Führungskompetenzen in der Jugendarbeit entwickeln

Wer als Jugendlicher zum ersten Mal eine Gruppe leitet, merkt schnell: Das ist mehr als Spaß organisieren. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, Menschen zusammenzubringen und in schwierigen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren. Genau hier setzt die Leitungsausbildung in der KSJ Würzburg an – sie begleitet junge Menschen auf dem Weg von Teilnehmenden zu Gestalterinnen.

Warum Ausbildung in der Jugendarbeit zählt

Das Leitprinzip der Katholischen Studierenden Jugend lautet „Jugend leitet Jugend". Ältere Mitglieder übernehmen Verantwortung für jüngere – sie sind Vorbilder, Ansprechpartnerinnen und Gestalterinnen. Damit dieses Prinzip trägt, braucht es mehr als guten Willen. Es braucht Vorbereitung.

Wer eine Gruppe begleitet, steht vor einer Vielzahl an Aufgaben: Programme entwickeln, Konflikte moderieren, Gruppendynamiken erkennen, rechtliche Vorgaben einhalten. All das lässt sich lernen – und soll gelernt werden.

Kompetenzen, die weit über die Jugendarbeit hinausgehen

Eine Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zeigt, was viele KSJ-Mitglieder aus eigener Erfahrung kennen: Kirchliche Jugendarbeit vermittelt Führungskompetenzen, die weit ins spätere Berufsleben ausstrahlen. Empathie, Organisationstalent, Kommunikationsstärke, Teamarbeit – all das entsteht nicht im Seminarraum allein, sondern im echten Tun mit echten Menschen.

Für Jugendleiter*innen in der KSJ bedeutet das: Die Ausbildung ist keine bürokratische Pflicht, sondern eine Investition in sich selbst.

Die JuLeiCa – Qualifikationsnachweis und Türöffner

Der bekannteste Qualifikationsnachweis in der deutschen Jugendarbeit ist die Jugendleiter*innen-Card, kurz JuLeiCa. Sie wird bundesweit anerkannt, ist drei Jahre gültig und zeigt: Diese Person hat eine fundierte Ausbildung durchlaufen.

Die Mindestanforderungen für die JuLeiCa umfassen:

  • Mindestens 30 Stunden Grundausbildung mit Themen wie Gruppenpädagogik, Kommunikation, Aufsichtspflicht und Jugendschutz
  • Erste-Hilfe-Kurs (nicht älter als drei Jahre)
  • Mindestalter 16 Jahre
  • Alle drei Jahre: Fortbildungsnachweis von mindestens 8 Stunden zur Verlängerung

In Bayern koordiniert der Bayerische Jugendring die Vergabe und setzt dabei auf Qualitätsstandards, die über das bundesweite Minimum hinausgehen. Wer die JuLeiCa hält, kann das nicht nur auf dem Lebenslauf vorweisen – die Karte bringt auch konkrete Vorteile wie Rabatte und Vergünstigungen.

Was gute Jugendleiter*innen ausmacht

Formale Qualifikation ist eine Seite. Die andere ist die persönliche Haltung. In der KSJ Würzburg geht es nicht darum, perfekte Gruppenleiter*innen nach Checkliste zu produzieren. Es geht darum, junge Menschen dabei zu begleiten, eine eigene Leitungspersönlichkeit zu entwickeln.

Das bedeutet in der Praxis:

Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein – Gruppen brauchen Leiter*innen, auf die Verlass ist. Termine werden eingehalten, Absprachen werden gehalten, und wenn etwas schiefläuft, steht jemand dafür ein.

Kommunikation auf Augenhöhe – Jugendliche spüren sofort, ob jemand mit ihnen redet oder über sie hinweg. Gute Leiter*innen hören zu, fragen nach und schaffen Räume, in denen sich alle äußern können.

Konfliktfähigkeit – Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Reibungen. Das ist kein Problem, sondern normal. Wichtig ist, Konflikte rechtzeitig zu erkennen und konstruktiv anzugehen – ohne zu dominieren, aber auch ohne wegzuschauen.

Kreativität und Planung – Ein gelungenes Wochenende oder eine spannende Gruppenstunde entsteht nicht von selbst. Es braucht Ideen, Vorbereitung und die Fähigkeit, flexibel zu reagieren, wenn etwas anders kommt als geplant.

Der Glaube als Kompass

In der KSJ kommt noch etwas hinzu, das über rein pädagogische Kompetenz hinausgeht: das eigene Verhältnis zu Glaube und Werten. Leiterinnen in einem katholischen Verband sind nicht nur Freizeitplanerinnen, sondern auch Begleiter*innen auf einem Weg. Sie stellen Fragen, die tiefer gehen – nach Sinn, Gemeinschaft, Verantwortung gegenüber anderen.

Das bedeutet nicht, dass alle Antworten feststehen müssen. Gerade das ehrliche Suchen und Zweifeln macht Leiter*innen authentisch und damit glaubwürdig.

Schritt für Schritt: So läuft die Ausbildung in der KSJ ab

Die Ausbildung in der KSJ Würzburg geschieht nicht auf einmal. Sie ist ein Prozess, der sich über Monate erstreckt und verschiedene Formate verbindet.

Am Anfang steht oft die Mitarbeit in der eigenen Gruppe – zunächst unterstützend, dann mit wachsender Eigenverantwortung. Erfahrene Leiterinnen gehen dabei als Mentorinnen mit, geben Rückmeldung und ermutigen.

Dazu kommen Schulungen und Wochenenden, bei denen Theorie und Praxis miteinander verbunden werden: Wie funktioniert Gruppenleitung? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten? Wie plane ich eine Freizeit? Wie gehe ich mit schwierigen Situationen um?

Im Rahmen des BDKJ Bayern und seiner Mitgliedsverbände wird außerdem sichergestellt, dass die Ausbildungen den anerkannten Qualitätsstandards entsprechen – damit die JuLeiCa am Ende auch wirklich etwas wert ist.

Ausbildung als Gemeinschaft

Was viele erst im Nachhinein begreifen: Die Ausbildung selbst ist bereits ein prägendes Erlebnis. Man lernt nicht nur Techniken, man lernt Menschen kennen. Man reflektiert gemeinsam, diskutiert, wächst aneinander.

Viele, die heute in der KSJ Verantwortung tragen – als Diözesanvorstand, als Schulungsleiterin, als Gruppenkoordinatorin – sagen, dass die eigene Ausbildungszeit zu ihren stärksten Erfahrungen gehört. Nicht weil alles glatt lief, sondern weil sie dabei herausgefordert wurden.

Das ist das Herzstück der KSJ-Ausbildungsphilosophie: Lernen im echten Leben, mit echten Menschen, eingebettet in eine Gemeinschaft, die trägt.